Lektürenotizen – Nikomachische Ethik – Tugend und Wissen (VI 13)

In diesem Kapitel werden die folgenden Problemen (unter anderen) behandelt:

  • Warum muss ein Mensch eigentlich klug sein? Wäre es nicht genug die Hinweise eines klugen Menschen zu folgen, sowie ein Kranke folgt die Hinweise eines Arztes?

    Aristoteles antwortet: nein, das wäre nicht genug. Klugheit und Weisheit sind die Tugenden für ihre entsprechenden Teile der menschlichen Seele – Klugheit ist die Tugend des Teils, der sich mit veränderlichen Sachen beschäftigt, und Weisheit ist die Tugend des Teils, der sich mit unveränderlichen Sachen beschäftigt. Da Klugheit und Weisheit Tugenden eines Teils der menschlichen Seele sind, sie sind auch Teil von eudaimonia für den Menschen, und deshalb sind sie wünschenswert auch um ihrer selbst willen.

 
  • Was sind die Grenzen der Klugheit?

    In diesem Kapitel macht Aristoteles ein paar sehr wichtigen Bemerkungen für sein ethisches System. Die Klugheit ist laut ihm für das Herausfinden und Ausführung des Weges zum Zielpunkt verantwortlich, während die charakterlichen Tugenden für die Auswahl des Zielpunktes zuständig sind. Das heißt, dass um nach den richtig werthaften, guten und gerechten Zielen zu streben, müssen wir die charakterlichen Tugenden besitzen. Aber um diese Ziele richtig zu treffen, brauchen wir die Tugenden des Denkens, nämlich Klugheit und Weisheit. Da Weisheit mit allgemeinen und notwendigen Sachen beschäftigt ist, während Klugheit mit spezifischen und handlungsbezogenen Sachen beschäftigt ist, scheint Klugheit für das richtige Handeln die wichtigere von den beiden zu sein.

 
  • In welchem Sinn hatte Sokrates mit seiner Tugendtheorie recht?

    Laut Aristoteles hatte Sokrates in einer Hinsicht recht und in einer anderer nicht. Nämlich hatte Sokrates recht, wenn er behauptet hat, dass man braucht Klugheit, um tugendhaft zu sein. Aber er hat sich geirrt, wenn er die Tugenden mit Wissen identifiziert hat, weil Wissen nicht genug ist, um eine Tugend zu besitzen. Man braucht so Aristoteles auch die richtige entsprechende Disposition und Vorsatz.


Literaturverzeichnis

  • Nikomachische Ethik – geschrieben von Aristoteles, übersetzt und herausgegeben von Ursula Wolf, 5. Auflage (März 2015), veröffentlicht im Rowholt Taschenbuch Verlag

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